C/O – KUNST IM RATHAUS 2019-06-17T12:20:39+02:00

Project Description

Kunst im Rathaus, die von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners 2015 eingeführte Ausstellungsreihe, präsentiert im Jahr 2018 drei Künstlerinnen und Künstler, die in der Kunstszene Mönchengladbachs aktiv sind und in die städtische c/o-Künstlerförderung aufgenommen wurden. Auf Empfehlung der c/o-Abteilung des Kulturbüros wählte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners für die Ausstellungsreihe die Mönchengladbacher Karl-Heinz Heming, Julia Kujat und Wolfgang Speen aus

Karl-Heinz Heming / Skulpturen, Wandobjekte
1969 – 1975 / Studium bei Prof. Heerich, Kunstakademie Düsseldorf

Karl-Heinz Heming hat sich bereits in seinen Studienjahren bei Erwin Heerich an der Kunstakademie Düsseldorf für Holz als sein Material entschieden. Er arbeitet mit hellem, unbehandeltem Pappelholz und millimeterdünnem Flugzeugsperrholz aus Birke. Steckobjekte nennt der Künstler die abstrakten Raumkörper aus quadratischen oder rechteckigen Formen, in die er Schlitze und Spalten sägt und die biegsamen Sperrholzblätter hindurchzieht. Dabei entstehen, oft symmetrisch angeordnet, Rundungen, Wellen oder Schleifen — in Form gehalten allein durch die Spannung des Materials. Wie aus einem Baukasten variiert der Künstler die Elemente, untersucht die Vielfalt ihrer ästhetischen Eigenschaften.  Auch die als Schnittobjekte bezeichneten Wandskulpturen sind aus massiven Pappelholzplatten gearbeitet. Sie erinnern durch die feine Schnitte an Saiteninstrumente. Man hört sie fast klingen. In den letzten Jahren sind zudem Sägezeichnungen mit freien, bewegten Linien entstanden, die in eingefärbte Holzflächen gesägt werden. Heming entfernt sich dabei von der linearen Struktur und überlässt dem Sägeblatt die zeichnerische Geste.

Julia Kujat / Zeichnungen, Fotogramme
2004 – 2010 / Studium bei Prof. Eva Maria Schön
und Prof. Alf Schuler, Kunsthochschule Kassel

Julia Kujat begreift Kunst als forschendes Handeln. Die Werkserien sind für die Künstlerin Teil einer größeren Erkundung, die sich u. a. mit Fragen nach den Grenzen der visuellen Wahrnehmung, mit Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit beschäftigen. Es entstehen Zeichnungen auf Papier, auf Objekten oder im Raum, skulpturale Arbeiten bis zu Fotogrammen. Und immer geht es um die Tätigkeit an sich, mit der sie ihr künstlerisches Terrain durchschreitet und es absteckt. In Folge entstehen bemerkenswerte, mitunter leise und zarte Arbeiten. Die Fotogramme entstanden bei Rotlicht in der Dunkelkammer eines Fotolabors. Die Künstlerin legte ihren Kopf und den Ballon zwischen Belichtungsgerät und Barytpapier. Während  einer Belichtungszeit von fünfzehn Sekunden wurde der Luftballon mit einzelnen Atemstößen aufgeblasen. Die Hand betätigte den Auslöser. Das Anwachsen des Ballons wurde auf dem Barytpapier so als Lichtzeichnung festgehalten. Jedes Fotogramm ist ein Unikat, da der Rhythmus und die Bewegung, welche durch die Projektion des Lichts fixiert werden, nicht wiederholbar sind.

Wolfgang Speen  / Malerei
Studium der Germanistik und Kunst in Aachen

Gerol, Tisor, Barus, Kassal, Boru – Namen nicht von antiken Helden oder Halbgöttern, sondern die Titel der farbmächtigen Leinwände von Wolfgang Speen. Sprache und Malerei bewegen den Künstler. Die Sprache, losgelöst von Bedeutungsinhalten, wird zu einer Art Vorsprache aus Klanglauten. Schriftfragmente werden als Verweis auf abstrakte Sprachsysteme in die Bilder eingearbeitet. Die Leinwände von Wolfgang Speen sind von großer materieller Präsenz. Farb­intensiv entstehen sie im Prozess malerischer Auseinandersetzung: Die Farbe wird aus Pigmenten, Erde und Sand angerührt, auf die Leinwand geschüttet, gespachtelt, gespritzt, mit Pinsel oder Hand aufgetragen. Nicht selten sind Materialien wie Karton, Japanpapier oder Metall in die Oberfläche eingearbeitet. Der Malprozess bestimmt das Bild. Der Maler ordnet sich dem Prozess unter. Es geht immer um ein Austarieren von Kräften, von Licht und Schatten, Abgründen und Aufgründen. Immer scheinen die Bilder nur Ausschnitt eines weitaus größeren, bewegten Farbkosmos‘ zu sein.