Atelierstipendiatin Minerva Cuevas im c/o Portrait

Égalité

„The right to rebellion is sacred“. Diesen Leitsatz ließ die mexikanische Künstlerin Minerva Cuevas 2009 im Rahmen ihres Kunstprojektes „S-COOP“ in der Whitechapel Gallery in London auf Münzen prägen. Die alternativ Währung — ein „S-COOP“ im Wert von einem Pfund zwanzig — wurde unter Händlern im Osten von London als Wechselgeld in Umlauf gebracht. In einer von der Künstlerin eingerichtete Eisdiele mit Namen „Monochrome“ wurde ausschließlich der „S-Coop“ als Zahlungsmittel akzeptiert. Das Projekt bezog sich auf sozialpolitische Aktivitäten von Genossenschaften Anfang des 20. Jahrhunderts, die in Großbritannien ein regionales Wirtschaftssystem mit Hilfe von alternativen Währungen entwickelten.

Cuevas versteht Protest als menschliches Grundrecht und treibende Kraft ihrer Kunstproduktion. Sie unterscheidet jedoch politischen Aktivismus und künstlerische Praxis: „Aus einem Kontext kommend, in dem ich mit politischem Aktivismus sehr vertraut bin, verstehe ich meine künstlerische Praxis als etwas anderes als Aktivismus. Ich betrachte meine Kunst als Konzeptkunst.“ Bereits bevor Cuevas von 1993 bis 1999 an der Escuela Nacional de Artes Plásticas in Mexiko-Stadt Kunst studierte, organisierte sie performative Aktionen, mit denen sie auf soziale und ökonomische Verhältnisse in Mexiko Stadt reagierte. 1998 gründete sie die „Better Life Corporation“, eine non-profit Firma, die kostenlose Produkte und Dienstleistungen verteilt. Mit U-Bahn-Freitickets, Studierendenausweisen, Barcodeaufklebern für billigere Lebensmittel oder Empfehlungsschreiben erschließt sie gesellschaftliche und wirtschaftliche Zugänge.

M. CuevasMinerva Cuevas entwickelt ihre Projekte aus der Recherche sozialer, wirtschaftlicher oder umweltbezogener Kontexte heraus. Sie untersucht beispielsweise Besitzverhältnisse und Werte der neoliberalen kapitalistischen Gesellschaftsordnung und die Rolle multinationaler Konzerne in der globalen Wirtschaft. Sie setzt dabei häufig die Sprache von Werbung und Warenästhetik in neue Zusammenhänge. In der Installation „Egalité“ manipuliert sie die Markenidentität eines bekannten Mineralwassers und deutet spielerisch subversiv auf den Verteilungskampf um natürliche Ressourcen hin. „Egalité“ wurde u. a. 2017 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt gezeigt. Oftmals verselbständigen sich die Kunstobjekte Cuevas, so auch das Plakat des Projektes „Egalité“, das von Menschen bei Straßenprotesten eingesetzt wurde. Ihre Kunst an andere Lebenswelten anzuschließen, ist von der Künstlerin durchaus erwünscht. Minerva Cuevas realisiert ihre Arbeiten im öffentlichen Raum und in Kunstinstitutionen als Installationen, Wandmalereien, Objekte, Videos und Fotografien. Sie folgt in der formal-ästhetischen Umsetzung jeweils den Ergebnissen ihrer Recherche sowie den Gegebenheiten des Ausstellungsortes. Charakteristisch sind die imposanten Wandgemälde, die sie häufig mit Objekten verbindet wie 2014 bei der Installation „Greatness of a nation“ im Museum für zeitgenössische Kunst in Sydney, Australien. (Text: Henrike Robert)

>> Kurzbiografie: 1975 geboren in Mexiko Stadt, Mexiko; 1993—1999 Kunststudium an der Escuela Nacional de Artes Plásticas, Mexiko-Stadt; ihre Werke werden international in Einzelausstellungen gezeigt. Sie hat an zahlreichen Gruppenausstellungen sowie Biennalen teilgenommen.Von Januar bis Juli 2019 lebt und arbeitet Minerva Cuevas als Atelierstipendiatin in Mönchengladbach. www.kurimanzutto.com/artists/minerva-cuevas

 

2019-06-13T17:14:58+02:00