Evelyn Taocheng Wang im c/o Künstlerportrait

Evelyn Taocheng Wang, Foto: H. Robert

Evelyn Taocheng Wang, Foto: H. Robert

„Wir wollen immer das Schöne, aber zu häufig verwandelt es sich in etwas Hässliches. Wenn wir das Hässliche akzeptieren, verstehen wir mehr von der Schönheit.“ So kommentiert Evelyn Taocheng Wang ihre Version des Grimmschen Märchens vom Froschkönig, das sie als animiertes Video 2018 in der Ausstellung „What is he afraid of“ im KW Institute of Contemporary Art Berlin zeigte. Der verwunschene Prinz ist die perfekte Figur, die kulturübergreifend in Märchen tradiert individuelle Veränderungsprozesse thematisiert. Er ist auch für Wang ein Symbol, das verdeutlicht, wie veränderlich und konstruiert Identität ist.

Prince Frog, no.1, A3 paper size, color pencil / watercolor paper, 2018, private collection © E.T. Wang

Prince Frog, no.1, A3 paper size, color pencil / watercolor paper, 2018, private collection © E.T. Wang

Evelyn T. Wang, 32. Atelierstipendiatin, beschäftigt sich in ihrem künstlerischen Werk mit Fragen nach individuell und kulturell bestimmter Identität: Wie beeinflusst kulturelle Prägung unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung? Wie konstituieren sich Identität und die Wahrnehmung des Körpers? „Für mich, als zeitgenössische Künstlerin, ist der Umgang mit dem Autobiografischen sehr wichtig. Es ist auch angreifbar, denn die Öffentlichkeit nimmt daran teil und es kann sehr persönlich werden. Ich denke aber Kunst ist immer persönlich.“ Wang erzählt in poetischen Bildern und Texten Geschichten, in denen persönliche Gefühle, Wahrnehmungen und     individuelle Dramen in Momentaufnahmen festgehalten werden. Autobiographische Erfahrungen verwebt Wang mit fiktiven Geschichten. Identität begreift sie dabei immer wieder in ihrer Prozesshaftigkeit.

Installation view of "Spreading Elegance" © E.T. WangNeben Zeichnungen und Gemälden arbeitet Wang mit Video, Performances und zuletzt mit Kleidung und Stoffen. Sie untersucht beispielsweise in ihren jüngsten Arbeiten, wie Kleidung die Persönlichkeit eines Menschen definiert und verändert. In den komplexen Installationen mit Zeichnungen, selbstgenähten und eigenen Kleidungsstücken zeigt sie Videoarbeiten und Performances, um zusätzliche Erzähl- und Zeitebenen zu erzeugen. Auch in der jüngsten Einzelausstellung „Spreading Elegance“ am FARC Champagne-Ardenne in Reims (F) hinterfragt Wang die Repräsentation des Körpers und soziale Rollenbilder. Wang verschickte nach einem Aufruf in den sozialen Medien eigene Designerstücke des Labels „Agnes B“ – Mantel, Rock oder Shirt – an zwanzig ausgewählte Personen. Sie sollen der Künstlerin einen handschriftlich verfassten Brief mit Gedanken zum jeweiligen Kleidungsstück und zum eigenen Verhältnis zur Eleganz zurückschicken. Es werden sehr persönliche Betrachtungen, die Wang neben Zeichnungen, Fotos, Stoffmustern in Schaukästen ausstellt. Auszüge aus den Briefwechseln wiederum kopiert sie auf großformatige Reispapierbilder.
Zu Wangs künstlerischen Arbeitsprozess gehört auch der fließende Übergang zwischen digitalen und analogen Wirklichkeitsebenen. Auf Instagram veröffentlicht sie neben Alltagsfotos ebenso Zeichnungen und Skizzen, die sie poetisch humorvoll oder mit provokanten Dialogen ergänzt. Auch handgeschriebene Notizen finden sich dort. Offen bleibt auch hier, ob es sich bei der Autorin dieses digitalen Skizzenbuchs um eine authentische oder um eine fiktionale Person handelt. (Text: Henrike Robert)

 

Kurzbiografie
2002-2006 Chinese traditional art & classical literature & visual
communication, Nanjing Normail University, China
2010-2012   Städelschule, Frankfurt
2012-2014  De Ateliers, Amsterdam
lebt und arbeitet in Rotterdam
Von Oktober 2019 bis März 2020 lebt und arbeitet Evelyn T. Wang als Atelierstipendiatin in Mönchengladbach.
Am Sa. 18.01. um 16 Uhr führt sie im  Museum Abteiberg durch die Ausstellung von Jutta Koether (in engl. Sprache).

2020-01-08T11:57:17+02:00