c/o – Portrait: Christa Hahn

Wenn man in das Universum von Christa Hahn eintaucht, trifft man auf Inszenierungen von Fotografien, Videos, Objekten, Installationen und Performances, denen ein wesentliches Merkmal gemein ist: die Akribie. Die Werke entstehen mit sorgfältiger Planung und handwerklicher Präzision. Die Präsentation der Arbeiten für die Betrachter ist ein Teil des künstlerischen Prozesses, dem die gleiche Sorgfalt innewohnt.
Hahn arbeitet interdisziplinär, wobei Fotografie und Video/Videoinstallation zentrale Elemente ihrer Arbeit sind.

Die Fotografie entwickelte sich, beginnend mit Experimenten von Fotogrammen, der Entwicklung von Lochkameraaufnahmen und der analogen Fotografie, bis hin zur mittlerweile hauptsächlich digitalen Arbeitsweise. Sie bevorzugt das natürliche Licht und irritiert den Betrachter mit unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen. Inspiration, ein Anliegen, eine Idee sind Ausgangspunkte, bevor ihre Werke wachsen, sich verändern und langsam Form annehmen. Sie geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, benutzt dabei ihre eigene Sensibilität. Sie schätzt jedoch auch das Wechselspiel und die Herausforderung verschiedener Ansätze. So hatte sie bislang mehrere intensive Arbeitsaufenthalte gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern an besonderen Orten, wie zum Beispiel in der alten Forensik in Düren. Hier entstanden aus Mitgebrachtem und dort Vorgefundenem temporäre Arbeiten und Teilarbeiten, die für die spätere Gemeinschaftsausstellung nach Zeichnungen und Vorstellungen im eigenen Atelier fertiggestellt wurden.

Ein anderer Aufenthalt war der im Kunstlabor ArToll in Bedburg-Hau als Teil des offenen und dynamischen Kunstprojektes „Mein wildes Heim“. Intensiv thematisierte Hahn die sterbenden Dörfer im rheinischen Braunkohlerevier (Übertage) und den Untergang des Steinkohleabbaus im Ruhrgebiet (Untertage), indem sie die Szenerien mit Dias, Fotografie und Installation dokumentierte. Im Vorfeld hat sie ausführlich recherchiert und viele Interviews mit den betroffenen  Menschen geführt. Ihre Arbeit „Ritual“ ist ein Beispiel dafür, wie Hahn ihre Werke mit einer exakten Komposition so offen gestaltet, dass eine individuelle Interpretation möglich ist und dennoch auf einem gemeinsamen gesellschaftlichen und kulturellen Hintergrund basiert: In dieser dreiteiligen Videoarbeit wäscht sich im ersten Teil eine Frau, die nur bis zu den Schultern zu sehen ist, die Hände mit Gummihandschuhen, im zweiten Teil erzeugt sie, mit einer mit Wasser gefüllten Klangschale Töne, während der dritte Teil ein Standbild mit den Requisiten zeigt. Es geht in dieser Arbeit um Existenzielles: Schuld und Verdrängung, mit denen die Betrachter konfrontiert werden und sich zumindest bei der Betrachtung nicht entziehen können.

Für die Ausstellung „konstruktiv-konkret Inspiration Bauhaus“ der GKK Krefeld zum Bauhausjahr 2019 hat sich Hahn entgegen ihrer sonst meist gegenständlichen Arbeiten der konkreten Kunst zugewandt, zu sehen sind Farbraster und -flächen. Im Universum von Christa Hahn trifft man auf eine Künstlerin, die sich mit ihrem eigenen Blick, ihrem eigenen Anliegen, ihren eigenen Möglichkeiten mit der Umwelt auseinandersetzt, die sich ihr und uns bietet. Die Wahrnehmungen unserer Umwelt, kulturell aufgeladene Rituale, Kommunikationswege und -prozesse, sprich: Spiegelungen und Demaskierungen unseres Lebens und das Sichtbarmachen unseres Lebensumfeldes sind zentrale Aspekte ihrer Arbeiten. (Text: Bernhard Jansen)

>> Kurzbiografie
bis 2002 autodidaktisches Arbeiten
2002 – 2008 Studium an der Freien Akademie der bildenden Künste (fadbk)
Essen, Fotografie/Medien bei Thomas Zika und Christiane Hantzsch, interdisziplinäre Arbeit/Video bei Danica Dakic
www.christa-hahn.de

2019-07-15T10:49:23+02:00